14 04 09 um 19:33
Postkarte
Als ich noch ein junges Mädchen war, wurde ich Mitglied in einer Art Brieffreunde-Verein. Ich hatte mich per Post angemeldet und musste Geld in den Briefumschlag beilegen, damit meine Mitgliedschaft offiziell bestätigt werden konnte. Nach fünf Wochen - das war noch richtig die Zeit des sogenannten Snail-Mails - bekam ich von der Organisation im Ausland eine Bestätigung per Post und gleich darauf eine Adresse. Ein mysteriöses Mädchen in Finnland würde für den Rest meines Lebens meine Brieffreundin sein. Akribisch las ich die Anweisungen, die der Verein mir geschickt hatte. Wie hat man eine Brieffreundin zu behandeln? Wie sollte ich sie schreiben? Und wann? Und vor allem: was? Erstens gab ich mein Bestes, ihr auf Englisch zu erklären wie groß meine Familie war, und das mein Vater in einem Do-It-Yourself-Laden arbeitete. Obi, aber dann halt anders. Ich musste das Wort wohl in einem Wörterbuch nachschlagen. Ich fügte ein Bild von mir und meiner Katze hinzu und fertig war ich. Das war eine schwere Geburt. Nach noch mal fünf Wochen (die Post kam damals noch per Schiff, wenn man nicht nachdrücklich beim Postamt sagte, es sollte dahin geflogen werden) kam eine Brief von meiner neuen Brieffreundin zurück. Ich war erstmals schockiert. Ihre Handschrift war so schön! Und das Briefpapier, das sah so unglaublich teuer aus! Und es roch. Ehm. Irgendwie finnisch. Ich verschlang den Brief, der schon über mehrere Seiten zählte. Dann fiel mir etwas runter, ein Bild lag mit der Bauchseite auf dem Teppich unter meinen Füßen. Me, a couple of weeks ago, stand da in ihrer Erwachsenenhandschrift. Ich drehte das kleine Bild um. Gleich verlor ich ein wenig meiner Begeisterung. Ich habe die Briefen immer geliebt. Mittlerweile haben wir uns vom Briefen-Schreiben getrennt, meine finnische Freundin und ich.
Jetzt bin ich Mitglied geworden bei Postcrossing, wo man mit der ganzen Welt Postkarten austauschen kann. Unterwegs sind schon einige - in die USA, nach Hannover, Spanien, Island. Und nach Finnland.








